Auf dem Weg ins Altparteien-Kartell?

Am Samstag feierte die AfD Geburtstag. Die beiden Parteivorsitzenden Alexander Gauland und Jörg Meuthen haben das zum Anlaß genommen, auf die vergangenen fünf Jahre voller Stolz und Zufriedenheit zurückzublicken. Tatsächlich hatte es im festgefügten deutschen Parteienstaat vor dem Aufkommen der AfD nur eine einzige Partei gegeben, der das geglückt war, was die AfD allen Erwartungen oder Befürchtungen zum Trotz dann nachgemacht hat. Das waren die Grünen. Inzwischen sind diese selbst Teil des Kartells geworden, haben ihren alternativen Ehrgeiz vergessen und machen es genauso wie die anderen.
Und die AfD? Fünf Jahre nach ihrer Gründung präsentiert sie sich als Bürgerpartei oder, wie manche lieber sagen, als Bürgerbewegung. Was danach fragen läßt, was denn den Bürger ausmacht, woran er sich gebunden fühlt, was er von anderen und von sich selbst erwartet. Die Antwort heißt: Doch hoffentlich etwas mehr als den Respekt vorm Grundgesetz oder den Vorschriften des bürgerlichen Gesetzbuchs. Denn auch das Gesetzbuch kommt ja nicht umhin, dort, wo es ernst wird, auf Vorstellungen und Begriffe wie Treue und Glauben zurückzugreifen: Ein Hinweis auf die ungeschriebenen Gesetze des Anstands, ohne die keine Gesellschaft auskommt, eine bürgerliche schon gar nicht.
Schon lange nicht mehr bürgerlich
Bürgerlich geht es in der AfD aber schon lange nicht mehr zu. Die Wende brachte der Essener Parteitag, auf dem die AfD zum ersten Mal die wohlbekannten, aber wenig bürgerlichen Umgangsformen einer Kaderpartei erkennen ließ. Die Basis, die auf ihre Autonomie sonst so stolz ist und bei jeder Gelegenheit auf ihre Souveränität pocht, folgte bereitwillig der Regie, auf die sich der Parteivorstand in irgendwelchen Hinterzimmern verständigt hatte, und antwortete mit Sprechchören auf die Parolen, die ihr von oben, von der Bühne aus zugerufen wurden. Diese Praxis hat sich durchgesetzt, man will es nicht mehr anders, sondern genauso machen wie die Altparteien.
Wenn man auch das nicht schafft, dann eben schlechter. In Schleswig-Holstein hat die Basis eine falsche Fürstin in den Landtag entsandt, wo sie die Arbeit der Fraktion so gut es geht blockiert. Im Landtag von Düsseldorf sitzt eine Volksvertreterin, die sich die Gunst mancher Parteifreunde im Bett erworben hatte – gegen Bezahlung, wie sie wissen ließ, also so, wie es die Gesetze der Marktwirtschaft von ihr verlangten.
Politik als Geschäft
Nachdem er eingeräumt hatte, daß es ihm in der Politik ums Geld zu tun sei und um sonst nicht viel, hat es ein Mann wie Armin-Paul Hampel aus Niedersachsen bis in den Deutschen Bundestag geschafft; und Wort gehalten. Trotzdem fanden sich auf dem jüngsten Landesparteitag mehr als 200 Parteifreunde, die für ihn stimmten.
Hampel gehört zur Mehrheit derer, die von der Politik leben wollen, nicht für die Politik. Hatten und haben wir von denen nicht schon genug, brauchte es dazu eine neue Partei? Natürlich waren es die Altparteien, die aus der Politik einen Beruf und aus dem Beruf ein Geschäft gemacht haben, das Leute anzieht, die es anderswo, in irgendeinem bürgerlich genannten Beruf, zu nichts gebracht haben. Aber wollte die AfD da nicht gegenhalten? „Überall auf der Straße liegt etwas herum, das Macht heißt“, schreibt Monika Maron in einem ihrer jüngten Romane. „Ein bißchen nimmt sich jeder, und manche können nicht genug davon haben, die werden Polizisten, Pförtner und Politiker.“ Leider auch in der AfD.

Dr. Konrad Adam am 15.4.2018 in der “Jungen Freiheit”

Dr. Konrad Adam war Feuilletonredakteur der FAZ und Chefkorrespondent der Welt. Er gründete die Alternative für Deutschland mit und war bis Juli 2015 einer von drei Bundessprechern.

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