Es stinkt

Harlingerode/Oker. Die Kommunikation ist derzeit gerade etwas zurückgefahren, aber es ist ja nicht so, dass es in Sachen Geruchsbelästigung nichts mehr zu sagen gäbe: Das Goslarer Karikaturisten-Urgestein Ernst Schröder hat sich des Themas jetzt in einer Poster-Kampagne angenommen.
Auf kommunaler Ebene
Schröder, Jahrgang 1942, zeichnet seit mehr als drei Jahrzehnten seine Karikaturen, vorwiegend im politischen Bereich und dort bevorzugt im verwandtschaftlichen Raum der SPD und des geschäftsführenden Vize-Kanzlers. Auf Kommunalebene hat er nun einer „Aktivgruppe Gesunde Luft“ unentgeltlich seine Talente zur Verfügung gestellt. Da reitet dann die Brockenhexe nunmehr mit Gasmaske auf dem Besenstiel oder der Krodo rümpft angewidert in der Abzugsfahne der Hütten-Schornsteine die Nase. Obwohl es die Sagengestalt ja eigentlich gar nicht gibt, wie unlängst an dieser Stelle zu lesen war…

Die eigens für die Kampagne gegründete Aktivgruppe kann ebenfalls mit einem Veteranen aufwarten. Zum einen besteht sie aus den umtriebigen Aktivistinnen des BUND vor Ort, die den potenziellen Verursacherfirmen und der Gewerbeaufsicht in Braunschweig keine Ruhe lassen. Zum anderen aber auch aus dem pensionierten Immenröder Umweltmediziner Dr. Wolfgang Baur, Jahrgang 1948, der zurzeit seinen dritten Frühling erlebt. Er tritt an als Vorstandsmitglied für den Ökologischen Ärztebund mit Sitz in Bremen, der 1987 als Reaktion auf die Katastrophe von Tschernobyl gegründet wurde.
Baur, damals beratendes Mitglied der örtlichen Bürgerinitiative, wurde bereits zu Zeiten des Okeraner Bleiskandals einer breiten Öffentlichkeit bekannt. 1984 berichtete der „Spiegel“ unter der Überschrift „Wenn der Wald stirbt, stirbt der Mensch“ über Baurs wissenschaftliche Pilotstudie zum Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und dem plötzlichen Kindstod im Raum Oker/Harlingerode. Nur kurz vorher war die „Duhm-Studie“ mit den Auswirkungen der örtlichen Bleibelastung auf Kinder erschienen.
Gefahren nach vorn
Bereits auf der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Oker, in dem auch der Harlingeröder Verein PUR mitarbeitet, hatte Baur sich dafür ausgesprochen, die potenziellen Gesundheitsgefährdungen gegenüber den bloßen Geruchsbelästigungen nach vorn zu rücken. Apropos, das scheint auch überregionale Medien langsam zu interessieren: Dem Vernehmen nach hat sich der NDR für demnächst in Oker angesagt.

Von Heinz-Georg Breuer in der Goslarschen Zeitung vom 4.1.2018

Karikaturen von Ernst Schröder, Goslar

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