Untergang?

O – diese Kassandrarufe.  Thilo Sarrazin ließ man ans Mikrophon. Er rief: „Deutschland schafft sich ab.“ Damit ist gemeint: Nicht von außen droht Gefahr – nein: die Bürger selbst wollen ihren Nationalstaat in Schutt und Asche sehen, weil sie Abermillionen zur Untätigkeit verurteilte, zum Konsum eingeladene Menschen aus fernen Ländern einbürgern. Das zerstört selbstverständlich den Sozialstaat und führt schnell zur Unregierbarkeit des Landes, wenn nicht sogar zum Bürgerkrieg. Die AfD Mitstreiter stemmen sich gegen diesen, für ganz Europa vorgesehenen Niedergang. Wir müssen unsere Kultur, die zivilisatorischen Errungenschaften bewahren, fordern sie. Wenn sie mit ihrem Anliegen – eine Alternative für DEUTSCHLAND zu sein – wie einsame Rufer in der Wüste nicht nur ungehört bleiben, sondern von allen Seiten angefeindet werden, drängt sich die Frage nach den Ursachen dafür auf. Ist diese Kultur, für deren Bewahrung wir uns vehement einsetzen, nicht vielmehr krank, weil sie sich selbst zerfleischt bzw. den verheerenden Einflüsterungen, initiiert von Macht-Cliquen, nicht widersteht?

Bereits 1917 bejahte Oswald Spengler in seinem beachteten Buch (Der Untergang der Abendlandes) diese Frage. Man dürfe das Entscheidende nicht vergessen, warnte er, dass nämlich „die sichtbare Geschichte Ausdruck, Zeichen, formgewordenes Seelentum ist“. Wir können hier nur andeuten, wie tief seine philosophische Analyse gesellschaftlicher Veränderungen ansetzt. Auf Seite 394 lesen wir (O. Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1972):

Daß die faustische Kultur Willenskultur ist, ist nur ein andrer Ausdruck für die eminent historische Veranlagung ihrer Seele. Das „Ich“ im Sprachgebrauch – ego habeo factum -, der dynamische Satzbau also gibt durchaus den Stil des Handeln wieder, welcher aus dieser Anlage folgt und mit seiner Richtungsenergie nicht nur das Bild der „Welt als Geschichte“, sondern unsere Geschichte selbst beherrscht. Dieses “Ich” steigt in der gotischen Architektur empor;  die Turmspitzen und Strebepfeiler sind „Ich“, und deshalb ist die gesamte faustische Ethik ein „Empor“: Vervollkommnung des Ich, sittliche Arbeit am Ich, Rechtfertigung des Ich durch Glauben und gute Werke, Achtung des Du im Nächsten um des eignen Ich und seiner Seligkeit willen, von Thomas von Aquino bis Kant, und endlich das Höchste: Unsterblichkeit des Ich.

Es ist genau das, was der echte Russe als eitel empfindet und verachtet. Die russische, willenlose Seele, deren Ursymbol die unendliche Ebene ist, sucht in der Brüderwelt, der horizontalen, dienend, namenlos, sich verlierend aufzugeben. Von sich aus an den Nächsten denken, sich durch Nächstenliebe sittlich zu heben, für sich büßen sollen, ist ihr ein Zeichen westlicher Eitelkeit und frevelhaft wie das In-den-Himmel-dringen-Wollen unsrer Dome im Gegensatz zur kuppelbesetzten Dachebene russischer Kirchen.

(pk)

Bildquelle: https://pixabay.com/de/hände-ertrinken-meer-kälte-nass-2805608/

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